Markt und Konkurrenz

Strategie Alternativbanken

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Alternativbanken sind seit Beginn der Krise mehr im Rampenlicht. Diesem Artikel ist eine spannende Diskussion mit der Geschäftsführung einer Alternativbank vorausgegangen. Dabei ging es auch um die Frage, was den das “Alternativ“ sei und wie viel “Alternativ“ möglich ist. Ausgehend von dieser Frage möchte ich eine strategische Diskussion zum Geschäftsmodell eröffnen.

Bei all den Unterschieden zwischen den Alternativbanken lässt sich zusammenfassend die Gemeinsamkeit einer zur Renditeorientierung zusätzlichen/hauptsächlichen Sinnkomponente beobachten. Daraus leiten sich die Fragen ab, ob a) die reine Renditeorientierung bei den klassischen Banken wirklich so existiert b) wie diese Sinnkomponente aussieht und c) wie viele und welche Freiheitsgrade die Alternativbanken durch die Regulatorik, das Marktumfeld und das makroökonomische Umfeld haben und wie es um das Geschäftsmodell steht.

Add. a) Die “reine“ Renditeorientierung der klassischen Banken ist eigentlich ein Kontinuum von Ausprägungen. Das Spektrum der “klassischen“ Banken reicht von, stark im genossenschaftlich kommunalen/regionalen Urgedanken verwurzelt bis zur börsennotierten rein renditeorientierten Ausrichtung. Der Großteil des Bankensektors (Sparkassen, Raiffeisen, Volksbanken) hatte in der Ursprungsidee immer einen Förderzweck (Hilfe zur Selbsthilfe etc.) und somit auch eine Sinnkomponente. Diese Banken waren damals die Alternativbanken.

Add. b) Bei den “neuen Alternativbanken“ ist die Sinnkomponente meist nicht auf die Förderung der Mitglieder sondern stärker auf die Allgemeinheit ausgerichtet. Themen wie Nachhaltigkeit (Umwelt), Soziales (Unterstützung der Schwachen) stehen im Vordergrund. Einige Beispiele:

  • GLS: “Die GLS Bank steht mit ihrer sozial-ökologischen Ausrichtung für die Verbindung von Sinn, Gewinn und Sicherheit. Ziel unserer Tätigkeit ist eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft und unserer Lebensgrundlagen. Geld verstehen wir dabei als ein soziales Gestaltungsmittel.“ [1]

  • Triodos: What is Triodos Bank's mission? Our mission is to use the money entrusted to us by savers and investors to work for positive social, environmental and cultural change.[2]

  • FGB: Gestützt auf die Erkenntnisse der Anthroposophie, arbeiten wir mit Menschen und Institutionen zusammen, die sich innovativ und zukunftssichernd für die zentralen Entwicklungsaufgaben des Menschen, der Tiere, der Pflanzen und der Erde einsetzen.[3]

Add. b) Diese Sinnkomponente kann sich banktechnisch in den folgenden Hebeln äußern, die ich Anschluss bezüglich der Freiheitsgrade diskutiere. Die Liste stellt einen therotischen Möglichkeitsraum dar.

 A. Ertragsseite

1.Kreditgeschäft

a.) Bevorzugte Vergabe der Mittel an sinnvolle (ökologisch, soziale, etc.) Kreditprojekte und der Ausschluss bestimmter Geschäft (bestimmte Unternehmen aber auch z.B. Konsumentenkredite, oder endfällige Kredite mit spekulativem Charakter).

b)Der Versuch förderungswürdige aber riskante Kreditprojekte zu ermöglichen. Das geschieht mittels gebildeter Sondervermögen (aus Gewinnen) die als Sicherungsmasse verwendet werden können oder der Aktivierung der Community damit diese als Treuhandgeber oder ggf. als Bürgern einspringt.

c)Der Versuch möglichst niedrige Zinsen für förderungswürdige Projekte zu ermöglichen. Das kann entweder durch den Verzicht auf die Gewinnmarge oder die Bereitschaft der Sparer auf Zinsen zu verzichten ermöglicht werden.

d)Hohe Transparenz zur Mittelverwendung gegenüber den Sparern.

2.Finanzerträge: Verzicht auf reine Finanzspekulation ohne realwirtschaftlichen Bezug (Eigenhandel). Einschränkungen in den erlaubten Veranlagungsklassen der Bank (z.B. nur Staatsanleihen).

3.Zahlungsverkehr: Transparente Gestaltung der Gebührenmodelle. Tendenziell werden relativ hohe fixe Kontogebühren verlangt, jedoch niedrigere Dispozinsen verlangt und keine Gebühren versteckt.

4.Sonstige Erträge: Ermöglichung der Veranlagung in nachhaltigen Fonds. Die Auswahl der Unternehmen in den Fonds und der Verzicht auf Vertriebsprovisionen sind hier die Differenzierungskriterien. Bei den restlichen Produkten sehe ich kaum Differenzierungsmöglichkeiten.

B. Kostenseite

1.Einlagezinsen: Ein maßgeblicher Erfolgsfaktor ist der teilweise Zinsverzicht der Sparer aufgrund der Sinnkomponente (der Qualität der Kreditprojekte) der emotionalen Bindung an die Bank (Umgang mit dem Kunden etc.).

2.Personalkosten: Neben kulturellen Faktoren, wie keinen Verkaufsdruck auszuüben, besteht eine Differenzierungsmöglichkeit in der Limitierung der Gehälter und dem Einführen von angemessenen Gehaltsspannen.

3.Sachkosten: Neben der Möglichkeit auf teure Filialen zu verzichten (bzw. Sparen bei der Ausstattung und den Repräsentationsaufwendungen) bestehen kaum nennenswerte Differenzierungsmöglichkeiten.

4.Eigenkapitalkosten: Mittlerweile bezahlen alle mir bekannten Alternativbanken (außer die FGB) Dividenden auf das Genossenschaftskapital. Diese sind jedoch deutlich geringer als bei Vergleichsbanken (oft 1-2%).

C. Gewinnverwendung

1.Ein wichtiges Differenzierungskriterium ist die Verwendung der Bankgewinne für förderungswürdige Projekte (Sondervermögen als Sicherungsmittel für riskante Projekte, Spenden an NGOs..). Natürlich mit B.4 verbunden.

Welche Herausforderungen, Zielkonflikte und Einschränken ergeben sich aus diesen Hebeln im Kontext der Regulatorik und des Marktumfeldes (Mitwerber, Verhalten der Kunden). Der springende Punkt ist das Kreditgeschäft, welches derzeit durch steigende regulatorische Kosten (Basel III), sinkende Kreditmargen und die Limitierung der vorhandenen „sinnvollen Kreditprojekte“ geprägt ist[1]. Die Situation am Kreditmarkt erschwert die Situation vieler kleiner klassischen agierenden Banken, hat aber das Potential die Alternativbanken auf mehrfache Weise in Ihren Differenzierungskriterien zu treffen:

  • Es gibt nicht ausreichend sinnvolle Kreditprojekte die auch die Kosten einer Bank tragen (Hypothese) bzw. werden diese auch quersubventioniert (oder zu den gleichen Margen) von klassischen Banken bedient. Die Margen sinken (vor allem bei den weniger riskanten Kreditprojekten) und die Risikokosten steigen.

  • Sparer sind nicht bereit für klassische Kreditprojekte auf Zinsen zu verzichten (B.1) und das niedrige Zinsniveau (billiges Zentralbankgeld) verringert den Hebel des partiellen Zinsverzichts.

  • Genossenschafterinnen fordern Ihre Dividende wenn die Bank zunehmend klassische Kreditprojekte vergibt (B.4). Gleichzeitig fordern die Regulatoren mehr Eigenkapital.

  • Die niedrigen Kreditmargen und die steigenden Kosten (B.1, B.4) reduzieren den Gewinn und damit die Möglichkeit der Differenzierung über die Gewinnverwendung (C. 1).

  • Geringere Gewinne schränken die Förderungsmöglichkeit riskanter Kreditprojekte über aus Gewinnen gebildete Sondervermögen (A.1)oder den Verzicht auf die Gewinnmarge aus und somit schließt sich der Kreis zu den Kreditprojekten am Beginn.

Sehe ich die Situation richtig und welche neuen Chancen und strategische Optionen ergeben sich daraus? Das Wachstum vieler Alternativbanken zeigt ein Kundenbedürfnis und die klassische Konkurrenz hat in dieser Situation nicht nur Vorteile (Erträge aus dem Eigenhandel, Provisionen, Größenvorteile), sondern trägt auch Altlasten mit sich herum (Anpassungen der Kostenstrukturen und den damit einhergehenden Reibungsverlusten, Motivation der Mitarbeiter, Frustration vieler Kunden, ebenfalls wegfallendende Erträge im Kreditgeschäft). Wie kann die makroökonomische Situation von viel Liquidität bei niedrigen Zinsen bei dieser Wettbewerbssituation genützt werden? Wie sieht die optimale Positionierung im Wettbewerbsraum aus?


[4] Der Liquiditätspolster mancher dieser Banken zeigt wie schwer es ist, ausreichend sinnvolle Kreditprojekte zu generieren. Der Kreditmarkt besteht zum Großteil aus klassischen Unternehmenskrediten, Immobilienfinanzierungen und Konsumentenkrediten.
Bewusstsein und Solidarität
11.05.13
Max

Ich möchte noch einen Gedanken zur Sinnkomponente einbringen: Eine Bank mit erweitertem Ansatz kann dazu tendieren, sich die "ethischen Rosinen" herauszupicken. Das funktioniert auch gut mit einem klassischen Ansatz zusammen, der vielleicht nicht dem reinen Renditeansatz entspricht, durchaus aber einem unternehmerischen Ansatz wie er von vielen vor allem regional arbeitenden Banken verfolgt wird. Dagegen ist nichts einzuwenden. Statt einer regionalen, wird eine kulturelle Niesche besetzt - mit einem entsprechenden Marketing, das auf gemeinsame Werte dieser Niesche fokussiert. Initiativträger der ethischen Komponente sind in der Regel die Initiatoren interessanter und aus Sicht der Bank wünschenswerter Initiativen - nicht die Bank. In den Publikationen dieser Banken werden dann Bilder und Beschreibungen dieser Initiativen dargestellt. Es wird suggeriert, dass die Bank selbst Initiator ist, dabei hat sie möglicherweise nur einen konventionellen Kreditprozess durchlaufen, wie ihn jede andere Bank durchläuft. Schmücken sich "ethisch orientierte Banken" mit fremden Federn? Was kann eine Bank beisteuern? Wo ist das tatsächliche ethische Moment einer solchen Bank zu finden?


Regionale Banken sprechen oft von "Anständigkeit", die so viel bedeutet wie: wir ziehen unsere Kunden nicht mit den Mitteln asymmetrischer Information über den Tisch. Eigentlich etwas, was man von jedem/r Geschäftsmann/frau erwarten können sollte. Ehrlichkeit ist also ein erster Schritt - der aber das Label "ethisch" noch nicht rechtfertigen kann. Die Anforderungen sind gross: Die Geschäfte sollen seriös, im Rahmen der rechtlichen Bedingungen, mit tendenziell risikoreicheren Projekten und niedrigeren Preisen ablaufen. Und der einzelne Kunde erwartet ein besonderes Interesse und viel Zeit für die eigenen angelegenheiten - Aktiv und Passivseitig.


Muss die Bank alles leisten? Was ist, wenn wir den Ansatz umstülpen und sagen, die Bank stellt eine Infrastruktur zur Verfügung, die es ermöglicht, bewusst mit dem eigenen bzw. fremden Geld umzugehen. Und da die Bedürfnisse und Anliegen verschiedener Menschen sehr unterschiedlich sind, wird eine solche Bank viel Flexibilität und Ideen benötigen. Ich behaupte: Eine Bank kann nicht "ethischer" sein als ihre Kunden. Wenn Gewinn als Schenkung verteilt werden kann, zeigt das möglicherweise eine effiziente Abwicklung der Geschäfte - eher aber, den Verzicht der Passivkunden auf eine marktübliche Verzinsung. Wenn man bei förderungswürdigen Projekten keinen adäquaten Risikoaufschlag macht, wird das Risiko auf risikoärmere Projekte verteilt. Die "Ethik" einer Bank hängt also auch von der Solidarität der Bankgemeinschaft ab. Was ist also der ethische Beitrag der Bank selbst? Hypothese: das Erarbeiten einer Infrastruktur, die Solidarität und einen bewussten Umgang mit Geld ermöglicht.
Ich denke, dass die Aspekte des Bewusstseins und der Solidarität am Beginn einer ethisch ausgerichteten Bank stehen und die "optimale Positionierung im Wettbewerb" ausmachen. Auf Basis dieser Positionierung gilt es auch einen Weg durch schwierige makroökonomische Situationen zu finden. Wer schreibt es Menschen, die ihren eigenen Umgang mit Geld suchen vor, sich vollständig nach der Marktsituation zu richten?



Möglicher Weg - Desintermediation zur Infrastruktur/Plattform
12.05.13
Ralf

Deine Behauptung: “Eine Bank kann nicht "ethischer" sein als ihre Kunden.“, sehe ich genau so. Egal ob es sich um einen partiellen Zins- oder Dividendenverzicht, die Konditionen beim Zahlungsverkehr (ist das alles ethisch?), mit der Stärke des Wunsches nach Differenzierung der Kunden (Bewusstsein), korrespondiert der Handlungsspielraum der Bank. Ein kurzer Umweg, bevor ich deinen Gedanken wieder aufgreife. Es scheint mir so als ob du beim Handlungsspielraum dem Wettbewerb und dem Marktumfeld zu wenig Einfluss zugestehst. 


1. Je mehr ethische Nischen durch etablierte Player besetzt werden (auch als strategische Gegenbewegung zu den Veränderungen der letzen Jahre) desto klarer sollte die Differenzierung sein.


2. Das regulatorische Umfeld erschwert auch das klassische Geschäft kleiner Banken durch Aufwendungen für Regulatorik, Eigenkapitalanforderungen aber vor allem den Erschwernisse in der Fristentransformation durch Basel III.


3. Es gibt also wahrscheinlich ein Umfeld (in den nächsten Jahren), das durch steigende Kosten, sinkende Margen und niedrige Zinsen geprägt ist.


Zu deinem Punkt mit der Infrastruktur. Ich glaube auch, dass darin eine Entwicklungsmöglichkeit liegt. Eine erste Gedankenskizze zu einem möglichen Geschäftsmodell von den Bedürfnissen der Kunden ausgehend.


A.Zahlungsverkehr – eh klar.  Das gehört zur Aufgabe einer Bank.


B.Gesicherte Einlagen - Hypothese - Bei den derzeitigen niedrigen Zinsen und den Risiken (wie in Zypern) wird die Sicherheit zunehmend  wichtiger. Eine Depotbankfunktion[1] mit Null Risiko und keine Zinsen (oder sogar Gebühren), könnte dieses Bedürfnis bedienen.


C.Anlagemöglichkeit mit möglichst hoher Unmittelbarkeit und Transparenz bezüglich der Mittelverwendung und verschiedenen Graden an Risiko und Rendite. Hier ist das volle Spektrum denkbar. Zum Beispiel: Projekte werden vorgestellt, die Bank prüft den Kunden und das Risiko und macht eine risiko-adäquate Verzinsung transparent. Der Zinssatz ergibt sich dann aber nur aus der Bereitschaft der Kunden. Das geht stark in die Richtung Treuhandkredite (klassisch) oder Kreditplattform. Die “Bank“ nimmt eine Gebühr für die Prüfung des Kunden und des Risikos, der Verwaltung der Instrumente und unterstützt die Emission/Vergabe von Genussscheine, Treuhanddarlehen, Eigenkapitalinstrumenten,….


Pros:


+) Wie gesagt, es wird das alte regulatorisch teure Geschäftsmodell der Bank aufgegeben


+) Hohe Transparenz und Eigenverantwortung der Aktiv- und vor allem der Passivkunden – also jenen die letztlich eine ethische Bank “wollen“.


Cons:


-) Wenn die Bank kein Risiko nimmt, dann agiert sie letztlich wie eine Investmentbank. Je mehr Volumina durchgehen, desto besser und das Risiko trägt der Kunde. Eventuell ist hier ein Modell notwendig, in dem die Bank einen kleinen Teil des Risikos aufs eigene Buch nimmt.


-) Es gibt keine klassischen Sparbücher mit einer kleinen Verzinsung – sicher ein Wunsch vieler Kunden. Hier könnte wiederum ein Argument sein, dass die ja eh zu anderen Banken gehen können.


 


Ich hoffe wir finden noch ein paar Mitdenker/innen zu diesem Thema. Ich arbeite ja gerade an einer Strategie für eine Alternativbank und freue mich über neuen Input.




Neue Investmentbanken
15.05.13
Max

Du hast recht, dass ich das Marktumfeld wenig berücksichtigt habe. Gewisse Teile daraus (vor allem das aktivseitige Marktumfeld) sind ohnehin zu berücksichtigen - die Frage ist nur, wie viele Freiheitsgrade man sich erlaubt. Es gibt ja auch die Tendenz, dass der Stress der Banken, dem Marktumfeld zu genügen, erst die Sensibilität der Kunden wachruft und die Botschaft ist: Wenn wir uns nicht marktkonform verhalten, dann geh zu einer anderen Bank. Man könnte auch sagen: wenn dir absolute Marktkonformität wichtig ist, bist du bei einer anderen Bank vielleicht besser aufgehoben - das können und wollen wir nicht bieten.


Zu Punkt 1: Ich glaube es gibt verschiedene Lösungs- und Differenzierungsmöglichkeiten. Und ich glaube auch, dass es viele Institutionen geben kann und soll. Es geht ja sicher nicht um Gleichschaltung, sondern um Diversität. Deshalb bin ich mit Deiner Aussage, dass Differenzierung nötig ist, völlig einverstanden. Für mich folgt der Markterfolg der Differenzierung - nicht die Differenzierung wird wegen Markterfolg angestrebt. Undifferenzierte Unternehmen finde ich total langweilig...


Zu Punkt 2 und 3: Da kann ich dir nur Recht geben - es wird immer enger und es ist naheliegend, dass in dieser Beschränkung neues entsteht.


Mir scheint die Kombination von Treuhanddarlehen und Kreditplattform immer plausibler. Vermittlung über Kreditplattformen geht nur bis zu einer bestimmten Höhe wirklich gut (etwa EUR 40'000). Das ist aber in etwa die Grenze, ab der es sinnvoll wird Treuhand zu vermitteln, da die einzelne Vermittlung aufwendig ist und bei kleineren Beträgen schwer darstellbar. Denkbar wäre das ganze kombiniert mit einer "Teilkasko" Versicherung: Ein gemeinsamer Topf, in den jeder Beteiligte einzahlt. Bei Plattformen wäre es aus meiner Warte durchaus sinnvoll auch eine Offline-World zu berücksichtigen. Es besteht hier sicher die Gefahr, dass das ganze zu einem Spiel wird. Da wäre bestimmte (Kündigungs) Fristen zu überlegen. Voatilität sollte man wirklich so gut wie möglich vermeiden.


Zugleich denke ich, dass das klassische Geschäftsfeld einer Bank nicht ersetzt werden sollte. Klar kann man immer zu anderen Banken ausweichen. Es  wäre eine Doppelte Nieschenstrategie kein Bankgeschäft zu betreiben, sondern nur Vermittlung. Es wäre einerseits die ethisch orientierte Niesche und andererseits die Direktengagement Niesche. Die Frage ist einfach, welches Spektrum abgedeckt werden soll. Es wäre auch denkbar, eine kontoführende Bank als Partner zu haben.


Es ist spannend, weil in dem ganzen Bereich auch sehr eigenwillige Dinge möglich sind (Zinszahlungen in Form von Naturalien,...). Das besondere an dieser ganzen Frage ist, dass hier ein Weg offen ist, Bewusstsein in Geldprozesse zu bringen. Auch wenn es hier mal um eine Niesche geht: es kann trotzdem viel Positives entstehen.


Das Argument des Umsatzes einer Investmentbank finde ich noch wichtig. Zugleich denke ich, dass man dieses Problem immer hat. Wenn man sauber und professionell arbeiten will, darf man sich in keinem Geschäft verleiten lassen und Ramsch anbieten... Wenn wir weiterhin von reinen pekuniären Incentives ausgehen, werden wir durch verschiedene Modelle keinen Schritt weiterkommen. Jedes Geschäft lässt sich ausbeuten...


 



klassische Kredite in Kombination mit Plattform und Treuhandkrediten
19.05.13
Ralf

Ich kann dieser 3-er Kombination auch Vieles. Ansätze dazu (Bank + Plattform) gibt es von der Fidor Bank [www.fidor.de]. Fraglich ist für mich noch, wie die Kanäle nebeneinander existieren können. Entscheidet die Bank oder der Kunde, welches der richtige Kanal (Bankkredit oder Direkt Kredit oder Genussscheine, oder was auch immer über die Plattform) ist? Die Bank könnte die Projekte je nach Risiko oder Volumen zuteilen. Dan hat der Kunde aber keine Freiheitsgrade. Gefällt mir nicht. Tendiere eher zu einer Lösung wie:



  • Kunde wählt prinzipiell aus

  • Bank hat ein Veto bei der Option Bankkredit, wenn das Risiko zu groß ist.

  • Bank allokiert je nach Finanzierungsvolumina


Wie siehst du das? Eine Plattform hat ja noch mehr Vorteile für den Kreditkunden (Interaktion mit seinen Finanziers die dann z.B. wieder Kunden werden können). Ich denke es ist schwer eine Plattform als Produktlinie aufzusetzen und dann als Bank zu entscheiden, wer auf die Plattform darf.


Dein Einfall mit der kombinierten Versicherungslösung gefällt mir extrem gut. Denkst du an einen Risikoausgleich zwischen den Anlegern auf der Plattform (so wie bei www.smava.de) oder zwischen Sparern der Bank und Anlegerinnen auf der Plattform?


Ich denke, dass die Anreizmechanismen gleich von Anfang gut gewählt sein sollten. Menschliches allzu Menschliches passiert bei falschen Anreizen. Das gehört zu einem guten sozialen Konstrukt dazu, oder ist vielleicht sogar der Kern.


Ich mache mich mal einen Entwurf des Business Cases für das konkrete Projekt.



Interaktion vs. Anreizmechanismen
25.05.13
Max

Ich denke es ist wichtig, dass man unabhängig von der konkreten Ausgestaltung nicht alles an Anreizmechanismen delegiert. Ich würde keiner Bank raten, solche Entscheidungen aus der Hand zu geben. Daher meine ich, dass die Entscheidung ob Plattform, Kredit, oder was auch immer, das Gespräch zwischen Bank und Kunde verlangt. Ich glaube nicht, dass es gut ist, das irgendwelchen Mechanismen zu überlassen. Ich glaube eine Plattform verlangt die Gestaltung der Betreiberbank. Je nach Art der Bank sind die Image- bzw. Rechtsrisiken sonst einfach zu hoch. Wenn es rein um Ertrag geht, können natürlich auch anonyme Plattformen nützlich sein - aber eben: es hängt eben am Geschäftsmodell der Bank. Eine Plattform sehe ich als eine mögliche technische Lösung, Prozesse zu Vereinfachen - die Verantwortung der Betreiber kann aber aus meiner Sicht nicht an eine technische Lösung delegiert werden.


Bezüglich Anreizmechanismen: Der Betreiber muss seine Kosten decken, das ist klar. Die übrige Ausgestaltung der Konditionen kann durch die Vertragsparteien zustandekommen. Da kommen natürlich alle möglichen Gesichtspunkte ins Spiel: wirtschaftliche, ethische, persönliche,... Der Betreiber kann etwas ähnliches wie eine Versicherungslösung anbieten - die kann obligatorisch oder freiwillig sein. Hier sehe ich auch die Variante: Versicherung durch Diversifizierung über verschiedene Kontrakte. Da mit Versicherungslösungen - wie du einleutend zu bedenken gibst - natürlich immer Anreize (moral hazard) verbunden sind, wäre eine Versicherung noch kritisch zu hinterfragen... Ich hab die Befürchtung, dass man bei der Schaffung von Anreizen immer danebengreift - oder fast immer... Was meinst du??



Das Gespräch und Anreizmechanismen
02.06.13
Ralf

Mir gefällt dein Hinweis auf das Gespräch. Endlich eine Möglichkeit deinen genialen Artikel ("Momo") zu referenzieren. (http://www.banktank.org/index.php/mensch-mensch/das-gespraech). Ja das Gespräch sollte am Beginn stehen. Ich denke, dass bei der direkten Kreditvermittlung halt aus Kundensicht noch andere wichtige Kriterien (neben jenen aus Bankperspektive[Prozess-oder Risikovereinfachung]) mitspielen. Zum Beispiel Marketing oder direkter Kundenkontakt und es für die Bank schwer wird, hier zu entscheiden, wenn es keine vorweg definierten fixen Kriterien gibt. Der potentielle Kunde wird das Ruder in die Hand nehmen. Aber das ist sicher ein spannender Punkt, den es auszuprobieren gilt.


Zu den Anreizen. Allgemeine gesetzte Anreize (in der Bank) haben immer das Problem, dass im Einzelfall nicht passt. Ich denke aber, dass es ohne nicht geht. Es gibt keine sozialen Systeme ohne gesetzte Regeln (=Anreizmechanismen). Das fängt bei der Satzung an (Gewinnorientierung ja nein, usw. usw). Diese Regeln haben den Vorteil, dass sie dem System Stabilität und Kalkulierbarkeit geben (z.b. aus Sicht der Genossenschafter, der Mitarbeiter).  Ein weiterer Vorteil sind, dass man durch Anreize zumindest bestimmte Fehler aus der Vergangenheit ausschliessen kann (z.b. zu kurzfristige Renditeorientierung ohne Risikomaß). Das diese Regeln natürlich auch eine Gefahr hinsichtlich der Zukunft und der damit verbundenen neuen Risiken und Herausforderungen sind, ist klar. Betriebsblindheit (wir haben ja ein gutes Regelsystem und vernünftige Anreize) und Erstarrung könnten ein Thema werden. 


 


 



Regeln und Entscheiden
05.06.13
Max

Guter Input bez. Anreiz. Auch der kulturelle bzw. ethische Hintergrund ist ja letztlich ein Anreiz - ähnlich der Frage nach der Gewinnorientierung die du angesprochen hast. Regeln müssen klar definiert sein - keine Frage. Interessant finde ich es, wenn Anreize sehr weit definiert sind. Richtlinien (und Regeln), in denen sich die Erfahrungen wiederspiegeln sind ja essentiell für Stabilität und Rechtssicherheit - sehe ich auch so. Zugleich finde ich es wichtig die Spielräume die möglich sind, bei Bedarf auch zu nutzen. So kann es sein, dass es bestimmte Erfahrungswerte in einem Bereich gibt. Dadurch werden Risiken sichtbar. Es kann aber ein interessantes Projekt mit interessanten Menschen geben, wo die Bank bereit ist, bewusst ein solches Risiko auf sich zu nehmen (in der Schweiz nennt man das Exception to Policy - ETP). durch die Klassifikation als ETP wird das eingegangene Risiko bewusst und transparent gemacht. Langweilig wird es, wenn die Vergabe (über Plattformen, Treuhand, ...) vollständig durch automatisierte pekuniäre Anreizmechanismen gesteuert wird. Dann kippt der beteiligte Mensch aus der ganzen Sache raus. Aber ich denke nicht, dass du nur diese reduzierte Form von Anreizen gemeint hast.


Noch zur Frage der Entscheidung: Der Kunde wird das Ruder nur in die Hand bekommen, wenn die Bank es loslässt. Ich finde es wichtig, dass die Bank - auch wenn das oft schwer ist - das Ruder in der Hand behält und bewusst entscheidet: Die Bank hat wenig zu gewinnen und viel zu verlieren: Reputation im Fall einer Plattform oder bei Treuhanddarlehen und Eigenmittel im Fall von Kredit. Ein Kunde hat hingegen viel zu gewinnen (die Finanzierung für ein Projekt) und wenig zu verlieren. In der Regel wird ja ein Kredit- bzw. Treuhandantrag gestellt. Die Bank entscheidet. Vielleicht müsste man da im Fall von Plattformen noch mehr in die Tiefe gehen... Wie läuft die Bewertung eines Kredites auf Plattformen? Gibt es da ein Rating durch die Bank? Oder passiert das alles zwischen potentiellen Gebern und Nehmern?


 



Preissetzung
11.06.13
Ralf

Es gibt zwei Arten von Preissetzungsmechanismen:



  1. Preissetzung durch die Plattform: Hier setzt die Plattform den Preis für den Kredit abhängig vom Rating des Kreditnehmers. Die Kreditgeber können sich in diesem Modell nur noch dafür entscheiden, ob sie den Kredit zu diesem Preis finanzieren wollen bzw. der Kreditnehmer entscheidet, ob er zu diesem Preis einen Kredit auf der Plattform suchen will.


  1. Preissetzung durch den Kreditnehmer: Hier führt die Plattform zwar ein Rating durch, überlässt es aber dem Kreditnehmer und -gebern einen Preis zu setzen. Verschiedene Arten von Auktionen kommen zu Einsatz.


Das gilt auch analog für die anderen Stufen der Wertschöpfungskette -  die Plattformen entscheiden sich in den Freiheitsgraden der Teilnehmer.


Wie siehst du die Entwicklung der Zinsmarge. Rechnest du mit einer Stabilisierung?



Preissetzung und Zinsmarge
23.06.13
Max

Zur Preissetzung auf Plattformen: ich finde das Prinzip der Auktion viel spannender als eine fixe Preissetzung. Zugleich wird es sicher nötig sein, eine Obergrenze für den Zinssatz zu definieren. Aber das ist klar. Die Auktion überlässt es den Investoren auch gemeinnützige Gesichtspunkte individuell zu berücksichtigen, während bei der Preissetzung durch die Plattform die individuellen Gesichtspunkte vorweggenommen werden. Das ist absolut spannend, weil ein möglicher Risikoaufschlag durch das individuelle Interesse der Teilnehmer kompensiert werden kann. Die Herausforderung ist dann sicher eine gute Projektbeschreibung zustande zu bringen. Von ihr hängen letztlich die Angebote der Investoren ab.


Zur Zinsmarge: Die Zinsmarge wird sicher noch etwas zurückgehen, da ältere zinsfixe Kredite mit guten Konditionen (aus Sicht der Bank) fällig werden und zu niedrigeren Konditionen neu angelegt werden. Das ist vor allem in der Schweiz ein relevanter Faktor, da Festhypotheken (mit festen Zinsen und Laufzeiten) eine verbreitete Finanzierungsform sind. Zugleich stagnieren die wichtigsten Zinssätze auf niedrigem Niveau, da negative Zinsen nur über kurze Zeit funktionieren. Ich würde also von einem weiteren leichten Rückgang und Stagnation ausgehen. Zugleich gehe ich davon aus, dass neue Libor-Hypotheken einen höheren Aufschlag bekommen als das früher der Fall war, sodass ein leichter Anstieg der Zinsmarge denkbar ist. Von einem grösseren Anstieg der Zinsmarge gehe ich nicht aus. Selbst wenn das Zinsniveau wieder steigt, hat sich der Wettbewerb so verschärft, dass die Marge in der Regel nicht wesentlich ausgeweitet werden wird. In dieser Situation sind natürlich Gebührenmodelle von besonderer Bedeutung. Ich gehe davon aus, dass die traditionelle Quersubventionierung der Passivseite durch die Aktivseite der Banken zurückgeht. Bei einer niedrigen Zinsmarge müssen Dienstleisungen für Passivkunden zumindest teilweise durch Gebühren finanziert werden. Das macht im Sinne einer Kostenwahrheit auch Sinn. Warum sollen Kreditnehmer die Dienstleistungen der Passivkunden finanzieren? Ein gutes Gebührenmodell ist daher wirklich wertvoll. Wenn es an der Kostenwahrheit anknüpft und nicht so sehr an der Zahlungsbereitschaft (Kursgewinne lassen sich unauffälliger generieren als eine sichtbare Gebühr für Transaktionen z.B.) ist es auch für Alternativbanken mit einem hohen Stellenwert der Transparenz vertretbar.


Mich würde noch eine Frage interessieren: Wie kann eine Bank in ihrer Tätigkeit selbst ethisch sein (abgesehen davon nur "Gute" Kunden anzunehmen)? Was ist ihre Tätigkeit und wie kann sie ethisch gestaltet werden - ganz im Sinn unserer Ethik-Diskussionen in der Kategorie "Mensch" auf Banktank? Bin gespannt...



Wie gut kann eine Bank Sein?
03.07.13
Ralf

Gute Frage....


Dafür wäre jetzt eine klar prägnante Ethik-Definition fein, die wir ja nicht haben. Oder besser gesagt zu einer Definition eines "ethischen Systems" (hier Bank). Die Antwort liegt für mich im Spannungsfeld zwischen Freiräumen zur Selbstverwirklichung und Fürsorge für die Anderen. Es sind ja die Anlagekunden die, mit Ihrer Forderung nach einer bestimmten Verzinsung, die Verantwortung für die Kreditkunden und deren Zinsen tragen. Die Kreditkunden tragen aber natürlich mit den Ausfällen auch Verantwortung für die Risikokosten (Durchschnittswert), die alle Kreditkunden gemeinsam tragen müssen. Es liegt also viel der Verantwortung bei den Kunden – der Community der Bank. Je Unmittelbarer, sich jene begegnen, desto spürbarer wird auch die Verantwortung (siehe Artikel Transparenz, aber auch zur Ethik im Markt). Die Bank MitarbeiterInnen tragen Verantwortung für die Community, indem Sie die Anlagekunden gut beraten und vorsichtig mit den anvertrauten Mitteln umgehen. Aber eben nicht nur vorsichtig, ansonsten wird es zur Immobilienbank für Ärzte mit gutgehender Praxis. Eine weitere ethische Dimension sehe ich im Miteinander in der Bank. Hier spielen Kommunikationsthemen und Gehaltsthemen aber auch die Art der Führung hinein. Wird den Mitarbeitern Raum zur Gestaltung und Verwirklichung gegeben oder ist ein Top-Down Management. Hinter diesen Schlagworten verbergen sich aber wieder mehr Fragen wie Antworten. Was ist ein faires Gehalt? Was ist gute Kommunikation?



Bank - up side down
22.07.13
Max

Deine ausführung hinsichtlich Verantwortung finde ich sehr spannend. Da stellt sich mir sofort die Frage: Wenn wir von Verantwortung der in einem System Beteiligten ausgehen - was wird dann aus dem Bankgeschäft? Ich möchte da einen Aspekt aus meinem Kommentar vom 11.5.2013 aufgreifen: "Was ist, wenn wir den Ansatz umstülpen und sagen, die Bank stellt eine Infrastruktur zur Verfügung, die es ermöglicht, bewusst mit dem eigenen bzw. fremden Geld umzugehen?" Ist es nicht so, dass Kunden einer Bank in der Regel dem Paradigma gehorchen, das von der Bank ausgegeben wird? Wenn es heisst (und so geht es ja meistens): "Optimiere deine Erträge unter der Bedingung deiner Risikobereitschaft", dann ist ja die Folge, dass Kunden genau das machen, da es keine Alternative gibt. Was geschieht wenn wir sagen können: "Da gibt es ein Projekt oder Unternehmen, das macht dieses oder jenes, unter diesen oder jenen Bedingungen,... wollen Sie diesem Unternehmen oder Projekt ihre Mittel leihen?" Dann wird die Ertrags- Risikorelation nicht verschwinden, sondern um einen Aspekt ergänzt. Die in Deinem Kommentar aufgegriffene Verantwortung rückt einen Schritt näher ins Zentrum. Damit ist natürlich noch keine Umstülpung des Bankgeschäftes erreicht, aber wenn dieser Aspekt weitergedacht wird, kann es in diese Richtung gehen und die Bank kann zu einer Infrastruktur werden, die von allen Beteiligten verantwortungsvoll betrieben wird. Es stellt sich dann die Frage: Wer oder was ist die Bank. Die Kunden rücken dann in den Fokus. Das Marketing sagt dann nicht mehr: "kommt alle zu uns, wir sind super", sondern wird eher kommunizieren, dass hier ein Platz ist, an dem man mitgestalten kann, wenn man das will. Nicht nur Lösungen werden angeboten, sondern eben Infrastrukturen. Zu diesen Infrastrukturen gehören Plattformen genauso, wie ein sauberes Vertragswesen, effiziente Abläufe, angemessene Kommunikationswege,...


Die Fragen die du ansprichst kommen dann voll zum tragen, da es beispielsweise nicht mehr nur um marktmässige gehälter geht sondern auch einen verantwortungsvollen Umgang damit. Ich fände es jetzt sehr spannend, an dieser Umstülpung weiterzudenken, in der die Kunden eine wesentliche treibende Kraft sind und nicht mehr nur die Geschäftsleitung, der Aufsichtsrat, das Marketing,... Was meinst du? Träumerei oder realistische Perspektive? Bin sehr gespannt!


 



Geld haben wollen aber sich nicht damit beschäftigen...
29.07.13
Ralf

...das ist meiner Meinung nach ein limitierender Faktor. Die meisten Menschen wollen Geld haben für Ihr Interessen (siehe Macht Diskussion bei den Bedürfnissen) aber sich nicht wirklich mit Geld beschäftigen. Ich denke, da müsste es allen "viel besser gehen" (nicht unbedingt materiell), damit solche Themen in den breiten Fokus kommen. Du bist sicher eher ein Ausnahme-Idealist. Das war ein Kompliment. Was ich schon sehr ist, dass sich an den Rändern immer mehr "Sinn-Milieus" bilden. Die sind entweder eher von der link-alternativen Seite oder eher kirchlich angehaucht. Ob das Inseln bleiben oder Konsens ist schwer zu beantworten. Innerhalb dieser Milieus ist aber sich Platz und Gestaltungsraum für solche Einfälle wie dein beschriebenes Konzept.



Wenn es uns besser geht...
18.08.13
Max

Das finde ich sehr gut beschrieben. Wahrscheinlich werden es Inseln bleiben, oder neben den aktuellen Systemen weiterbestehen. Ich denke auch, dass es uns viel besser gehen müsste. Aber was heisst das, wie besser gehen? Wo geht es uns nicht gut? Ist das eine Frage der Bildung? Eine soziale Frage? Und vielleicht auch eine materielle Frage (aber es ging uns ja noch nie so gut - zumindest in unseren Breiten...)? Ich möchte ja nicht lauter vollblut Idealisten um mich haben - das wäre mega-mühsam. Idealismus hat für mich immer auch mit moralischen bzw. Pflichtthmen zu tun: du sollst,... Mich interessiert viel mehr, Spass an Dingen zu haben, die anderen förderlich sind. Idealismus klingt immer nach Verzicht. Aber es gibt ja auch nicht-finanzielle Returns und die sind oft am interessantesten. Z.B. wenn ich einen neuen Text auf Banktank lese ist das für mich ein Return. Insofern spricht nichts gegen Nutzenmaximierer, wenn Nutzen nicht rein pekuniär verstanden wird. Es ist ja spannend, dass man sich ein teures auto kauft (z.B. aus Prestige-Gründen - es darf ja auch andere Gründe geben) statt das ganze Geld in Beziehungen zu stecken (z.B. in Form von mehr Freizeit zur Beziehungspflege,...). Verstecken wir uns nicht z.T. hinter unserem Konsum um ja nicht in die Unverborgenheit treten zu müssen? Wovor haben wir denn Angst? Versteh mich nicht falsch - ich hab nichts gegen Konsum. Aber die Frage ist ja: was heisst "es müsste uns viel besser gehen"?



was ist das uns...
02.09.13
Ralf

Max, ich sehe es wie du.


Mit dem "es muesste allen viel besser gehen" an den Durchschnitt (das Man) und nicht nicht an dich. Weil ich glaube, dass du in vielen Facetten nicht repräsentativ für "das Man" bist. Der und die Durchschnittsdeutsche-/österreicherin hat weder ihr ganzes Leben intensiv Philosophie gelesen, eine gesundes Familiensystem, mehrere Universitätsabschlüsse noch eine Geschäftsführungsposition. Wir sprechen hier von verschiedenen Welten.


 


 



besser...
21.09.13
Max

Das verstehe ich - und danke für die wohlwollende Einschätzung meiner Lebensumstände ;-)


Mir ist klar, das es sehr verschiedene Welten gibt. Viele Menschen leiden unter Armut, Schmerzen, Einsamkeit,... Trotzdem bleibt die Frage: Was heisst besser? Du gibst den Hinweis, dass das nicht unbedingt nur materiell gemeint ist. Die Frage ist mir ganz ernst und ich glaube sie ist sehr zentral. Hast du weitere Ideen was besser meint oder meinen könnte? Gehen wir doch der Frage nach...



besser....
21.09.13
Ralf

Das ist eine gute Frage, auf die ich auch keine fertige Antwort habe. Kommt davon, wenn ich Begrifflichkeiten so leichtfertig verwende. Ein Versuch in zwei Schritten.


A. Erster Schritt. Besser oder schlechter beinhaltet hier eine - willkürliche - Wertung zu Verhalten/Persönlichkeit die unser Moral-System definiert hat oder gar eine Grundlage für das Existieren einer Spezies ist. Wann ist ein Mensch gut und zwar in allen Religionen, die wesentliche Grundlage und Aggregation unserer Moral/Ethik sind?. Religion und Ethik war jetzt eine bewußte Abkürzung, weil das eine anderes Thema ist, also bitte nicht darauf fokussieren. Immer wenn der Mensch nicht rein "egoistisch" auf den Rest der Welt reagiert. Also Rücksicht auf die Natur, die anderen Menschen etc nimmt. Da schwingt das Thema "Gespür für die Verbundenheit" mit, aber auch Wahrnehmen und Respekt. In den Worten von Heidegger "sein lassen". 


B. Zweiter Schritt. Wann geht es jetzt einem Menschen besser? Meine Hypothese ist, dass er die Verbundenheit spüren und leben kann, wenn es ihm besser geht. Wann ist die Wahrnehmung der Verbundenheit möglich? Mehre Aspekte spielen glaube ich eine Rolle.



  • Erstens (ohne Priorität) natürlich, dass ein Mindestmaß an materiellen Bedürfnissen gedeckt sind. Ansonsten schreien die Bedürfnisse womöglich so laut, dass die Außenwelt nicht wahrnehmbar ist.

  • Dazu gehört auch die glückliche Erfahrung von Verbundenheit. Verbundenheit meint hier letztlich Liebe. Die Erfahrung, dass glückliche Beziehungen, essentiell zum eigenen Glück sind und die Erfahrung, dass das auch eine Sensibilität für die Bedürfnisse Anderer beeinhalter. Dieses Wahrnehmen erstreckt sich aber in letzter Konsequenz nicht nur auf die Familie und Freunde. Den eine Abschottung im Alltag gegen die Bedürfnisse  anderer Menschen macht den Switch bei den engsten Beziehungen schwer. Das eine geht nicht ohne das tägliche Wahrnehmen der Anderen.

  • Ein dritter Aspekt ist ein systemischer. Wenn ich in einem System arbeite, großwerde, dass mit immer sagt (Anreize bietet), dass ich nur auf meinen Eigennutz schauen soll, dann wird die Erfahrung schwer.


Letztlich leite ich hier aus den üblichen moralischen Kategorien von "guter Mensch"  ab, dass diese nur von Menschen aus sich heraus gelebt werden können, wenn es Ihnen gut geht und "Gut gehen" ist eng mit dem möglichen Interessensausglich zwischen eigenen und fremden Bedürfnissen verbunde.



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